DER ZAUBER VOM BRAUTSTEIN

(HOLUNDER)

Der Zauber vom Brautstein
In der Eulenburg in Oker wohnte einst die Holda, eine nicht mehr ganz junge Frau, mit ihren jüngeren Schwestern, die trotz ihrer Schönheit keinen Mann für sich gewann. Das mochte an ihrer lockeren Zunge liegen oder an ihrem wachen Geist, ich weiß es nicht zu sagen.Wie es sie zu grämen begann, dass auch ihre jüngste Schwester unter die Haube kam, da ging sie zur Kräutermuhme, die man in jener Zeit oft auf der Halleschen Höhe sitzen und Beeren sammeln sah. "Den Brautstein musst berühren - das, wass du willst erspüren - schon hat die Holle dich belohnt und zu dem nächsten Wonnemond wird dich ein Mann heimführen!", sagte die Alte, doch mahnte, dass es nicht leicht wäre dort hinaufzukommen, würde doch in den Bergen ein Lindwurm hausen und garstige, gelbzähnige Gnome rumgrummeln. Und tatsächlich, wie sich Holda auch abmühte, sie kam nicht einmal in der Nähe des Brautsteines. Immer ging irgendetwas schief: Mal war vor Arbeit keine Zeit, dann jagten die Gewitterstürme übers Okertal, dann war sie krank und kam der Tag, an dem sie sich wirklich auf den Weg machte, hatte sie nach kurzer Zeit das Gefühl, die Beine würden ihr bleiern schwer werden, ganz so, als hätte ihre Neffen und Nichten den ganzen Tag getragen. Ja, richtig, es fühlte sich genauso an: So als ob sie hundert kleine Wichte tragen müsste! Das waren die Gelmkegnome und Gichte, die sich an sie hefteten, kaum hatte sie den den Berg betreten. Dann aber fiel Holda etwas Seltsames, fast Wunderbares auf: Immer, wenn sie unverrichteter Dinge nach Hause schleppte, die Pforte zur Eulenburg passierte, dann fiel alle Schwere von ihr ab. Denn dort am Eingang standen zwei Hollerbüsche von denen es ja heißt, man könne ihnen alle Krankheiten anbinden. Jeder Irrwicht oder Krankheitsdämon würde vom Holunder angezogen, in die Erde gesogen werden und fiele in den Kessel der Frau Holle. Da wusste Holda endlich, was zu tun war. Sie pflückte einige Beeren in ihr weißes Hemdchen, brach sich ein Stöckchen und machte sich zur selben Stunden wieder auf den Weg. Und dieses Mal, mit dem Hollerzweig in der Hand, den Beeren im Hemd und der Zuversicht im Herzen, langte sie unbehelligt beim Brautstein an!

Doch Vorsicht: Der Hollerbusch schützt zwar Haus und Hof vor bösen Geister, bringt auch Gesundheit, Liebe und Fruchtbarkeit, ist aber ein Baum des Lebens und des Todes zugleich. Nicht umsonst heißt es, dass nur Kinder und Frauen mit reinem Herzen seine Äste brechen dürfen!

"Willst du aus dem Leben scheiden, musst nur den Holler fällen, schneiden!"

(dem Volke abgelauscht und augeschrieben von Carsten Kiehne)

Diese Webseite wurde erstellt nicht durch Zauberei, sondern durch Steffi's Zauberhand  ;-)  |  Erstellt Anno 2018, aktualisiert  2026
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